28.01.2010, 21.57 Uhr • Leserbrief • Drucken • Trackback • RSS-Feed
Wenn Wuppertaler das Ruhrgebiet erobern
Hennes Bender las in Barmen aus seinem neuen Ruhrgebiets-Lexikon “Komma lecker bei mich bei” und brachte den Wuppertalern pünktlich zur RUHR.2010 den Ruhrpott ein bisschen näher. Aber die Zuhörer revanchierten sich – und ließen den Comedian in die Geschichte Wuppertals blicken. “Da steigt man echt nicht durch bei eurer Stadt”, musste Bender am Ende trotzdem zugeben.

Comedian Hennes Bender bei seiner Lesung in Barmen (Foto: Marcus Müller)
Barmen. (red) “Eure Erwartungshaltung macht mich fertig”, gab er bereits am Anfang offen zu. Dabei hatte Hennes Bender hierfür eigentlich keinen Grund. Schließlich war alles wie sonst auch immer, wenn er als Stand-up-Comedian durch ganz Deutschland tingelt. In der Mayerschen Buchhandlung in Barmen war es vielleicht “eine Nummer kleiner”. Schließlich stand der Bochumer nicht wie gewohnt auf einer Bühne, sondern hatte auf einem Stuhl hinter einem kleinen Tisch Platz genommen. Und las. Nämlich aus seinem neuen Buch “Komma lecker bei mich bei”.
In seinem Werk outet sich Bender als wahrer Ruhrgebiets-Experte. Kein Wunder, schließlich wurde er – im Gegensatz zu zu manch anderem “Bochumer”, der aus Clausthal-Zellerfeld stammt und heute in London wohnt – wirklich im “Pott” geboren. Also lag es wohl auch nahe, dass Bender pünktlich zur RUHR.2010 (“Das Timing war gut!”) ein – wenn auch recht amüsantes – Lexikon über das Ruhrgebiet schreiben musste. Mit vielen wirklich erlebten Geschichten “Da ist sehr viel Autobiografisches drin”, verrät Bender und versucht sich sodann als “Leser”.
In seiner bekannt hektischen Art hetzt er durch die Texte und stolpert vom einen Lacher zum anderen. Die Themen “Aldi”, “A 40″ und “Arafat im Grugabad” werden schnell abgehandelt. Dem “Fußball” widmet sich der 41-Jährige allerdings ein bisschen länger. Auch wenn er eigentlich kaum etwas davon versteht: “Fußball ist mir egal, so lange Bayern nicht Meister wird”, erklärt er offen. Auch auf die Rivalität von Schalke und Dortmund geht er kurz ein (“It’s no derby, that’s war!”). Ausschweifendere Vorträge hält er aber auch zu den Toiletten im Oberhausener Einkaufstempel “CentrO” sowie zum Thema “Sex”, wobei er natürlich die meisten Lacher erntet.
Aber immer und immer wieder kommt er auf die Stadt Wuppertal zu sprechen. Schließlich ist er an diesem Abend im Tal zu Gast, hegt einige Freundschaften hier hin und zeigt sich nicht nur als Experte für das Ruhrgebiet, sondern ist auch stets offen für Neues. “Ich mag Wuppertal sehr gerne”, schleimt Bender grinsend herum, erklärt aber in Hinsicht auf die Rivalität der einzelnen Stadtteile: “Da steigt man echt nicht durch bei eurer Stadt.” Denn schließlich bekommt er nach der Frage, woher das Publikum denn komme, nicht einfach die Antworten “Wuppertal”, “Remscheid” oder “Herne” – sondern “Langerfeld”, “Barmen”, “Elberfeld”, “Ronsdorf”, “Hatzfeld” und “Lennep”. Da schweift der Bochumer halt gerne ab und versucht sich in einer kleinen Runde Heimatkunde (“Man fährt aus dem Ruhrgebiet nur 20 Minuten und ist in einer komplett anderen Welt…”).
Birgit aus Ronsdorf ist es schließlich auch, die sich als einzige traut, von der Lesung wieder ein bisschen Stand-up einzufordern: “Mach doch mal bitte den Gollum”, dieser Aufforderung zum Schluss kann auch ein Hennes Bender in einer Buchhandlung nicht widerstehen. Auch wenn er danach zugibt: “Das ist aber jetzt eher SpongeBob geworden.” Das ist egal! Das Publikum ist zufrieden, lässt sich im Anschluss an die heitere Lesestunde noch Bücher, Plakate und Autogrammkarten signieren und zieht glücklich durch den Schnee wieder nach Hause.
Von: Marcus Müller












