01.02.2010, 11.26 Uhr • Leserbrief • Drucken • Trackback • RSS-Feed
Protest: Kein Totsparen im Schauspielhaus
Mit einem 24-stüdigen Musik-, Theater-, Tanz- und Schauspielmarathon protestieren Künstler aller Sparten gegen die geplanten städtischen Sparmaßnahmen. Viele Wuppertaler waren trotz regem Schneetreiben zum Elberfelder Schauspielhaus gekommen und beteiligten sich an dem Protest, der am Freitagabend, 29. Januar 2010, nach der Premiere von “Fleisch ist mein Gemüse” begonnen hatte.

Gemeinsamer Protest vor dem Schauspielhaus (Foto: Michael Kaspers)
Elberfeld. (red) Die Proteste gegen die Sparmaßnahmen im Kulturbereich in Wuppertal leben in den Nachtstunden am Wuppertaler Schauspielhaus in Elberfeld immer wieder auf. Sobald es dunkel wird, flimmert auf der Fassade des Schauspielhauses eine bewegte Bild-Animation, mit der das Theater auf sein Programm aufmerksam machen will. Zwischen den Programmen kann man zudem Zeilen wie “Zukunft braucht Theater” oder “Wir protestieren gegen Ideenlosigkeit, Trostlosigkeit, das Kaputtsparen” lesen. Der Protest ist eine Reaktion darauf, dass Wuppertal finanziell angeschlagen ist und massive Sparmaßnahmen auch in der Kultur plant. Daher sieht das Haushaltssicherungskonzept (HSK) vor, den Betriebskostenzuschuss für die Wuppertaler Bühnen bis in das Jahr 2014 um mehr zwei Millionen auf rund “nur noch” 8,6 Millionen Euro zu senken.
Das derzeit geschlossene Schauspielhaus könnte dann nicht – wie bereits lange geplant – saniert werden und müsste als Theaterspielstätte aufgegeben werden. Das versuchen die Wuppertaler allerdings mit allen Mitteln zu verhindern, schließlich befürchtet man nach dem Aus für das Sprechtheater auch das Ende für die Oper: “Eine solche dramatische Kürzung würde das Theaterszene in Wuppertal in Frage stellen”, erklärt Schauspiel-Intendant Christian von Treskow. Bereits zur jetzigen Zeit arbeite das Theater mit einem sehr engen Budget, jede weitere Sparmaßnahme schlage sofort Alarm und könnte “drastische Folgen für die Wuppertaler Bühnen haben”, so von Treskow. Bis zum heutigen Tage war Wuppertal in der Kulturszene besonders wegen des Tanztheaters Pina Bausch bekannt. Zur Zeit macht die Stadt allerdings in erster Line aufgrund ihrer Kürzungspläne im Kulturbereich in ganz Deutschland von sich reden.
Zu den am 29. und 30. Januar 2010 geplanten Protestaktionen im und am Schauspielhaus hatten rund 20 Theater aus ganz Nordrhein-Westfalen, unter anderem aus Essen, Köln, Aachen, Oberhausen und Bonn, ihre Unterstützung zugesagt. Durchschnittlich waren rund 500 Besucher pro Stunde ins Theater an der Kluse gekommen, einige Besucher hielten sogar die gesamten 24 Stunden durch. Schließlich wurde auch eine Menge geboten – und zwar nicht nur Drinnen, sondern auch auf einer Freiluftbühne an der Bundesallee. “Es ist toll, einfach beeindruckend, dass so viele Menschen gekommen sind. Ich hoffe, dass die Zeichen, die wir setzen, in Düsseldorf und Berlin nicht ungehört bleiben”, zeigte sich Intendant von Treskow beeindruckt ob des Zuspruches.
Von Treskow räumt selbst ein, dass das seit 1966 eröffnete Schauspielhaus nicht mehr zeitgemäß ist. Bereits Anfang 2009 wurde es für die anstehende Sanierung geschlossen, aber es finden bis heute auf einer kleinen Bühne im Foyer immer noch Veranstaltungen statt. “Das Schauspiel braucht in Zukunft eine eigene Spielstätte” ist eine seiner Forderungen an die Stadtspitze, eine dauerhafte Verlegung des Betriebes in das bereits sanierte Opernhaus in Barmen sei nicht zu realisieren, schließlich werde das Haus neben dem Musiktheater auch vom Tanztheater Pina Bausch genutzt. Sollten Schauspielhaus und Opergeschlossen werden, kämen noch lange keine zwei Millionen Einsparpotential zusammen, merkte Opernintendant Johannes Weigand auf der abschließenden Podiumsdiskussion an. Einen großen Zuspruch der Proteste im Tal gibt es auch vom Deutschen Kulturrat. Wuppertals Kulturdezernent Matthias Nocke hat für die Sorgen der Wuppertaler Bühnen zwar durchaus Verständnis, dennoch wies er auf die Verschuldung der Stadt hin, die sich mittlerweile auf rund 1,8 Milliarden Euro belaufen. Neben der Kultur sind bei den Einsparungen vor allem auch die Bildung und Soziales betroffen.
In Zusammenarbeit mit Till Brühne
Von: Michael Kaspers












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