02.02.2010, 12.47 Uhr • Leserbrief • Drucken • Trackback • RSS-Feed
Ein gruseliges Dinner mit Dr. Frankenstein
Wenn Dr. Frankenstein die VillaMedia betritt, dann ist es Zeit für das “Gruseldinner”. Gemeinsam mit Frau Blüchers, Gehilfe Eigor und einigen in die Handlung eingebundenen Gästen erschuf er die “Kreatur”, die sogleich ihr Unwesen trieb. Zum gruseligen Bühnen-Spaß wurden ebenso schmackhafte wie komisch klingende Gerichte serviert.

Gruselig und äußerst unterhaltsam geht es in der VillaMedia zu (Foto: M. Kaspers)
Elberfeld. (red) Abgerissene Menschenarme und Beine, die auf den Tischen verteilt liegen, flackernde Kerzenleuchter und schummrige Musik. Diese Umstände mögen vielleicht auf den ersten Blick nicht zu einem Dinner passen. Aber in der VillaMedia gehört diese Kombination zum Programm, denn das Gruseldinner sorgt auch für jede Menge Unterhaltung. Über 70 Gäste ließen es sich am Sonntagabend, 31. Januar 2010, in der Eventlocation an der Viehhofstraße nicht entgehen, wie Dr. Frankenstein sein Monster kreierte und nebenbei ein Vier-Gänge-”Gruseldinner” auftischte.
Kaum auf Schloss “VillaMedia” angekommen, so wurde man von Hausdame “Frau Blüchers” und Herrn “Dr. Frankenstein” persönlich begrüßt. Die dröge, “leicht” ältere, schon hohlwangige Hausdame Frau Blücher (gespielt von Laura J.C. Schmidt) witterte, dass Gastgeber Victor von Frankenstein (Alexander Baab) einen nicht leiden könne. Außerdem wies sie mehrmals darauf hin, dass wenn man schreie, es keiner in der Nacht und in der Dunkelheit hören werde.
Was das wohl für geheimnisvolle Zutaten sind, die Frankenstein für die Erschaffung seiner bisher unbekannten Kreatur bereit gestellt hat? Während die mittlerweile angespannten “Gäste” auf ihre Elixiere und Wässerchen warteten, brachte Gehilfe Eigor (Christoph Kühne) einen Korb mit neuen Leichenteilen herein. Aber auch die Gäste wurden zum Opfer: Wer mochte, wurde in die Handlungen mit eingebunden und musste als Gehilfe zur Seite stehen. So wurden die Rollen des Bürgermeister, der Dorfpolizisten oder auch die Rolle der Klatschreporterin an die Dinner-Teilnehmer vergeben.
Nach “Eigors Kartoffelnasensuppe mit Pancetta und Pfifferlingen aus dem Laborgarten” verlangte Frankenstein von Eigor: “Man bringe mir das Hirn des Professors.” Doch der paddelige, etwas durchgeknallte und zurückgebliebene Gehilfe hat es vergessen und es irgendwo liegen gelassen. “Aber es sind ja heute reichlich Hirne hier”, merkte Eigor an und schnappte sich eine Axt. Er hatte eher die weiblichen Gäste im Sinn, denn diese bräuchten “ja eh kein Hirn”. Ein Gelache durchzuckte den Saal, nur knapp entging eine Dame der Köpfung. Als Hirnlieferant musste dann dennoch der imaginäre Koch der VillaMedia herhalten. Nach dem zweiten Gang mit “Experimentiertellem Feldsalat in Walnussdressing mit Croutons und grausiger Entenbrust” setzte Bürgermeister August von Horch, der von einem bereits vor Beginn des Stückes ausgewählten Gast gespielt wurde, zur Rede an. Dieses versuchte er an diesem Abend noch drei Mal, doch die Geschehnisse im Grusellabor ließen ihm keine Zeit, sodass Eigor jedes Mal seine Rede durchkreuzte.
Von Gang zu Gang wurde die Hintergrundmusik immer schauriger. Der große Festsaal wurde in ein grünes Licht getaucht und Frankenstein rollte zusammen mit Eigor seine Bahre herein. Unter mehreren weißen Laken ragten zwei klobige Schuhe hervor. Frankenstein nahm das Hirn des Koches und hantierte mit einem Akkuschrauber in Kopfnähe der Kreatur. Mit mehreren Stromstößen wurde die Kreatur (Michel Mardaga) schließlich zum Leben erweckt. Doch plötzlich wurde es hektisch im Saal: Das Geschöpf war leider recht dumm geworden, da es dabei ja auch um das Gehirn des Koches handelt, wie Frankenstein erklärte. Schließlich wurde eine junge Frau aus dem Publikum von der Kreatur entführt. Da musste man sich eine kleine Pause gönnen, der Hauptgang (“Braten vom dreimal wiederbelebtem Rind mit Ratatouille, aufgespießten Rosmarinkartoffeln und gratinierter Tomate”) wurde serviert: “Eigor hat noch einige Leichenteile auftreiben können, wenn Sie der Geruch nicht stört”, erklärte eine Stimme aus dem Jenseits.
Vor dem Dessert drohte die Handlung ein wenig ins Alberne abzudriften: Die Kreatur wollte mit einer hinreizenden Dame ein “Tänzchen” wagen. Nach erfolgreicher, etwas längerer Suche fand sich die passende Begleitung. Am Ende des Tänzchen ging es im Saal wie bei einer wilden Verfolgung zu: Sämtliche Schauspieler poltern und rumpeltn mehr als turbulent durch den Saal. Eigor jagte mit der Axt die Kreatur, die Kreatur mit einer weiteren Axt die Polizisten und Frau Blücher war auf den Schultern eines Ordnungshüters zu finden. Dann ein Schuss: Eigor fing die Kugel mit seinen Zähnen, die Polizisten bluteten und Frau Blücher brannte mit Eigor durch. Ein amüsantes Spektakel ging zu Ende, die Gäste waren aber mehr als begeistert.
Das Gruseldinner ist eine sehr gelungene Veranstaltung, die auch die Gäste ins Geschehen mit einbindet, und den Schauspielern viele Freiheiten lässt. Nicht nur in Wuppertal wird dieses Stück aufgeführt, auch in vielen anderen Städten Deutschlands. Drei Stunden hielten Dr. Frankenstein, Eigor, Frau Blücher, Elisabeth (Stefanie Otten) und die Kreatur ihr Publikum in Atem, machten einen Witz nach dem anderen und zeigten ihr schauspielerisches Können. Weitere Informationen zum Gruseldinner und die Veranstaltungsdaten gibt es unter www.villamedia-eventlocation.de.
Von: Michael Kaspers











